Warum die Grippesaison gerade für Menschen mit Behinderungen eine schwierige Zeit ist

Warum die Grippesaison gerade für Menschen mit Behinderungen eine schwierige Zeit ist

Der Winter bringt eine ganze Reihe Unannehmlichkeiten mit sich, und ganz besonders dann, wenn Sie mit Behinderungen leben. Am offensichtlichsten sind wohl vereiste Gehwege, die sich in gefährliche Rutschpartien verwandeln können. Aber es gibt auch weniger auffällige Herausforderungen, um die Sie sich ebenfalls mit großer Sorgfalt kümmern sollten – gerade zu Beginn der Grippesaison.

Personen, deren physische Funktionen und/oder kognitive Kapazitäten aufgrund einer Krankheit eingeschränkt sind, erkranken mit höherer Wahrscheinlichkeit an Grippe. Häufig wird ihre Erkrankung auch gar nicht erkannt (1). Hinzu kommt, dass bei Ihnen aufgrund Ihrer Behinderungen ein höheres Risiko besteht, dass im Zuge einer Grippe gravierende Komplikationen auftreten, beispielsweise eine Lungenentzündung.

Warum sollten Menschen mit Behinderungen also im Hinblick auf die Grippe besonders gut auf sich achten?

Körperliche Behinderungen und Grippe

Das Spektrum an körperlichen Behinderungen ist weit gefasst, aber wenn Ihre Mobilität eingeschränkt ist, ist es wahrscheinlicher, dass Sie an Grippe erkranken. Einerseits sind Sie voraussichtlich nicht in der Lage, den Kontakt mit infizierten Personen zu meiden; und andererseits fällt es Ihnen möglicherweise schwerer, Vorsorgemaßnahmen gegen die Grippe zu ergreifen, sich beispielsweise die Hände gründlich zu waschen (2).

Körperliche Behinderungen können auch die Fähigkeit Ihres Körpers beeinträchtigen, Infektionen zu bekämpfen. Ihre Krankheit wirkt sich unter Umständen auf Ihr Immunsystem aus, was kontrolliert, wie gut Ihr Körper Infektionen abwehren kann, darunter auch chronische Erkrankungen und Erkrankungen der Atemwege (2).

Bestimmte Arten von körperlichen Behinderungen sind mit ganz speziellen Herausforderungen verbunden. Falls Sie unter einer neurologischen Krankheit wie Zerebralparese, Motoneuron-Erkrankungen, Multipler Sklerose oder Parkinson leiden, fällt Ihnen das Atmen oder die Regulierung Ihrer Körpertemperatur unter Umständen schwerer (3). Besonders Kinder mit neurologischen Krankheiten haben Schwierigkeiten beim Husten, Schlucken oder dem Befreien ihrer Atemwege von Sekret (3), weshalb die Grippesymptome gravierender ausfallen.

Eine Grippe kann auch Ihre Vorerkrankungen aufflammen lassen. Mit einer Grippe würde Ihnen das Atmen noch schwerer fallen, sodass bei Ihnen das Risiko für ernsthafte Krankheiten und Krankenhausaufenthalte höher liegt (2). Außerdem kann die Grippe hohes Fieber verursachen, das Sie möglicherweise nur schwer in den Griff bekommen und das Ihre Erkrankung und Ihre Symptome intensivieren kann (2). Ein Drittel aller Menschen mit Multipler Sklerose, die an Grippe erkranken, erleiden innerhalb von sechs Wochen einen Rückfall (4).

Kognitive Störungen und Grippe

Studien haben ebenfalls herausgefunden, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten, beispielsweise Personen mit neurologischen Erkrankungen, einem höheren Risiko für Krankheiten der Atemwege ausgesetzt sind (5) – und wahrscheinlicher als andere bei einer Grippe ernsthaft erkranken (6).

Neben einigen anderen neurologischen Krankheiten gestalten es Ihnen Lernschwierigkeiten unter Umständen auch komplizierter, mit anderen zu kommunizieren (5). Diese Kommunikationsprobleme erhöhen möglicherweise Ihr Risiko, an Grippe zu erkranken, weil Sie eventuell Schwierigkeiten damit haben, die Vorsorgemaßnahmen zu verstehen (5). Wahrscheinlich waschen Sie sich weniger gründlich als andere Personen die Hände, können sich weniger effektiv vor Husten und Niesen schützen und erkrankte Personen schlechter meiden.

Unter Umständen ist es für Sie auch problematischer, den Personen, die sich um Sie kümmern, mitzuteilen, dass Sie sich krank fühlen oder dass Ihre Krankheit schlimmer wird. Das kann zu einer Verzögerung der Behandlung führen, wobei sich Ihre Erkrankung verschlechtern und die Symptome noch gravierender ausfallen können (6). Forschungen kamen zu dem Ergebnis, dass sich aus einer Verzögerung oder Problemen mit der Behandlung oder bei Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Bewertung oder der Untersuchung der Krankheitsursache ein gravierenderer Krankheitsverlauf ergeben kann (6).

Mit welcher Behinderung Sie auch leben mögen: Nehmen Sie die Grippe nicht auf die leichte Schulter. Wäre es nicht eine gute Idee, die jährliche Grippeimpfung weit oben auf Ihre To-do-Liste zu setzen? Auf diese Weise hätten Sie mit einem Problem weniger zu kämpfen, wenn es kälter wird. 


Referenzen
(1) http://www.obk.de/imperia/md/content/cms200/aktuelles/amt_50/allgemein/behindertenratgeber.pdf
(2) https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Influenza_saisonal.html
(3) https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/gehirn-nervensystem/funktion
(4) https://www.leben-mit-ms.de/artikel/2017-10-23/ms-und-grippe-deshalb-solltest-du-dich-impfen-lassen
(5) https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/wenn-geistig-behinderte-menschen-ins-krankenhaus-muessen-6322/
(6) https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Influenza/FAQ_Liste.html?nn=2370434

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